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Schwertscheide

Rekonstruktionsversuch der berühmten Schwertscheide von Cesar Borgia, für das Schwert "La Regina delle spade". Zwei Versionen sind in Planung, bzw. im Bau - eine für das Modell und eine für die finale Version des Schwertes. Beide werden den Zustand darstellen, als sei die Schwertscheide vollendet worden. Eventuell, wenn noch ausreichend motivationale Ressourcen vorhanden sind, wird es eine dritte Version geben - unfertig, wie das Original.

Die originale Schwertscheide wurde etwa um 1498 in Italien hergestellt, genauer gesagt, in der Romagna, und zwar von Ercole dei Fedeli. Der bekannte Goldschmied und Meister in der Kunst der Gravuren stellte nicht nur die Gravuren auf der La Regina delle spade her, sondern eben auch die Schwertscheide. Er war höchstwahrscheinlich auf den Schwerttyp Cinquedea spezialisiert.

Der Herstellungsprozess der üppig und meisterhaft dekorierten Schwertscheide wurde jedoch abgebrochen, da das Leder auf der Rückseite riss, nachdem bereits einige filigrane Motive eingearbeitet worden waren. Der obere Rand wurde noch nicht an die Klinge und Parierstange angepasst, dies sollte wohl im letzten Schritt geschehen. In der Scheide steckt noch der originale Holzkern, der als Klingenersatz diente, um die Scheide in die richtige Form zu bringen und einen Widerstand während der Arbeiten zu bieten - so das Museum. Bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass die Schwertscheide generell aus Holz besteht, welches mit dünnem Leder bezogen worden ist.

Die Motive wurden nach der Anbringung des dünnen Leders (etwa 1,5-2 Millimeter) auf den Holzkern durchgeführt, auf dem man einige eingedrückte Motive erkennen kann, da das Leder gerissen ist. Anders als heute, fand die Dekoration des Leders nach "Fertigstellung" der Schwertscheide statt. Die Herstellungstechnik der Schwertscheide ist insgesamt sehr innovativ; die Motive enorm detailliert. Man mutmaßt, dass eine zweite Schwertscheide angefertigt worden ist, um das wertvolle Schwert zu schützen - diese ist jedoch vermutlich im Verlauf der Geschichte verloren gegangen. Es gibt allerdings eine Schwertscheide für eine baugleiche Klinge mit einigen der gleichen Designelemente, welche auf der unfertigen Schwertscheide zu erkennen sind - etwas einfacher gehalten, und ohne persönliche Logos und Monogramme von Valentino. Da diese zweite Schwertscheide ohne die persönlichen Erkennungszeichen daher kommt, zumindest soweit, wie man es erkennen kann, ist nicht sicher, ob es sich dabei tatsächlich um die Ersatzscheide handelt, die während der italienischen Kriege sicherlich unter Zeitdruck hätte hergestellt werden müssen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass jene Ersatzschwertscheide die ursprüngliche Schwertscheide ist, da das Schwert ein paar Jahre vor der unfertigen Schwertscheide erstellt worden ist. Man könnte daher davon ausgehen, dass die weniger detaillierte Schwertscheide der Vorgänger der unvollendeten Schwertscheide ist - sofern sie denn ebenfalls Valentino gehörte.

Auf der Schwertscheide von Valentino befindet sich, neben zahlreichen symbolischen Figuren und Motiven, auffällig der lateinische Spruch:

MATERIAM SUPERABIT OPUS

(Übers.: "Das Werk wird das Material übertreffen" oder "Die Arbeit wird den Stoff überwinden")

Dieser Satz stammt ursprünglich von dem römischen Dichter Ovid aus seinen "Metamorphosen" und bezieht sich, nach heutiger Ansicht darauf, dass die künstlerische Gestaltung wertvoller und bedeutsamer sei als das verwendete Material selbst. Die Idee ist, dass durch geschickte Handwerkskunst und kreative Arbeit auch aus einfachen Materialien etwas Wertvolles entstehen kann - dass also die Kunstfertigkeit wichtiger ist als der eigentliche Rohstoff.

Heute wird diese Phrase oft als Motto verwendet, um auszudrücken, dass Können, Fleiß und handwerkliche Exzellenz über die Beschränkungen des Materials hinausgehen können.

Tatsächlich hat dieser Spruch aber noch eine viel tiefere Bedeutung. Nicht die Ausgangslage oder die verfügbaren Mittel entscheiden über den Erfolg, sondern die Qualität der Hingabe und des Einsatzes der Person. Der Mensch, der mit wenigen Ressourcen oder unter widrigen äußeren Umständen, aber großer Entschlossenheit und Kreativität, Außergewöhnliches erreicht hat - darum geht es im Grunde, und spiegelt auch die Einstellung des Trägers wider.

Die Römer schätzten Tugenden wie virtus (Tüchtigkeit), industria (Fleiß) und ingenium (geistige Begabung) sehr hoch. SPQR - "Senatus Populusque Romanus" war nicht bloß ein Spruch - Rom war eine Lebenseinstellung. Ovid selbst war ein Beispiel dafür - er stammte nicht aus den höchsten gesellschaftlichen Kreisen, schaffte es aber durch sein literarisches Talent und seine Hingabe zur Dichtung zu großem Ruhm. Gerade die "Metamorphosen", aus denen dieser Spruch stammt, handeln von Verwandlungen und davon, wie durch innere Kräfte - Liebe, Leidenschaft, Hingabe, aber auch Leid - fundamentale Veränderungen entstehen können. Das deutet darauf hin, dass Ovid sehr wohl um die transformative Kraft der inneren Einstellung wusste und die allgemeine moderne Deutung, bzw. wörtliche Übersetzung, unvollständig ist.

Auf der Vorderseite der Schwertscheide befindet sich eine Figur, die oftmals als Göttin des Friedens interpretiert wird, obwohl es sich dabei um die Venus handelt. Ein kleiner Mond im Hintergrund deutet darauf hin. Ihr zu Ehren wird ein Schaf geopfert, während sie auf einer Säule steht, umgeben von unbekleideten Personen, welche unter anderem Fahnen mit sich führen. Wer sich mit Cesar Borgia auseinander gesetzt hat, weiß um dessen Affinität zu Gaius Julius Caesar, weshalb die Opferung des Schafes (mit Hörnern) auch als Widder interpretiert werden könnte. Ganz im Sinne von Valentino folgen wir nun den Rätseln und Zeichen, und stoßen dabei auf den Caesarkomet (C/-43 K1), auch bekannt als Sidus Iulium ("Julianisches Gestirn"). Dieser Komet erschien im Jahre 44 v. Chr., nach dem Attentat auf Julius Cäsar, und war sieben Tage lang am Tageshimmel über Rom zu sehen. Valentino hat wohl diesen Komet als Nebenwappen genutzt, welches, in anderer Farbe, auch auf dem Borgia-Wappen zu finden ist. Vermutlich sind die grünen Flammen "zweckentfremdet" worden, wo sie schon mal da waren und zufällig zum Kometen passten. Andere Darstellungen des Wappens zeigen keine grünen Flammen auf der Borde, sondern Grasbüschel.

Julius Caesar wurde am 15.3.44 v. Chr. ermordet. Der Komet erschien danach und war sieben Tage lang zu sehen - im Sternzeichen Widder. Neben der vielleicht üblichen Opfergabe könnte es sein, dass die Tötung des Widders Unmut über das Attentat auf Julius Caesar ausdrückte - wohingegen das Blut des Tieres auf eine Wiedergeburt hindeuten könnte.

Der Komet reiste in Richtung des Sternbildes Hydra, welche von Valentino ebenfalls als Symbol benutzt wurde. Die Hydra hatte eine große Bedeutung, da der Komet auf sie zeigte und möglicherweise in Richtung Zukunft verwies. So findet sich die Hydra als Helmzier im Wappen Valentinos wieder.

Auf der Schwertscheide wird eine ähnliche mythologische Figur abgebildet - die Medusa. Hier allerdings lediglich der Kopf und mit den Flügeln eines Engels. Sie starrt den Betrachter der Schwertscheide frontal an, fast schon provokativ. Die Medusa ist ein faszinierendes Symbol - sie verwandelt Feinde in Stein, ist also sowohl tödlich als auch schützend. Perseus nutzte ihren abgeschlagenen Kopf als Waffe und Schutzschild - demnach dient sie hier ebenfalls als Schutzsymbol, der göttlichen Ordnung unterstellt. Sie starrt potenzielle Feinde an und soll sie abschrecken. In der Renaissance war das Medusenhaupt ein beliebtes Apotropaion, ein Abwehrzauber gegen das Böse.

Medusa könnte man auch als "Vermenschlichung der Hydra" betrachten - beide sind weibliche Monster mit transformativer, vernichtenden Kraft. Die Hydra regeneriert sich endlos, Medusa petrifiziert permanent. Beide repräsentieren eine Art unausweichlicher Macht, nur auf verschiedene Weise.

Ein weiteres, sehr präsentes Symbol, ist natürlich der römische Adler, welcher auf der Vorderseite der Schwertscheide prangt - nicht weit entfernt von den Flammen und dem Monogramm des Besitzers.


Baufortschritte - Modell-Scheide

Seht hier, wie weit die Schwertscheide bereits fortgeschritten ist und wie lange es ungefähr bis zur Fertigstellung braucht. Die Schwertscheide wird komplett von Hand gefertigt, es kommen keinerlei Elektrowerkzeuge zum Einsatz.

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    Vorderseite
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    Rückseite
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    Ortblech und Kordeln

Baufortschritte - Modell-Scheide

Farbtest an einigen Stellen. Die Motive werden alle von Hand geformt, es gibt keine fertigen Stempel. Deshalb ist jeder einzelne Hintergrund-Punkt von Hand gesetzt - einzeln. Im Original ist es ebenfalls auf diese Weise hergestellt worden, zumal ein Punzieren mit Hammer nicht möglich war.


Baufortschritte - Finale Schwertscheide

Seht hier, wie weit die Schwertscheide bereits fortgeschritten ist und wie lange es ungefähr bis zur Fertigstellung braucht. Die Schwertscheide wird komplett von Hand gefertigt, es kommen keinerlei Elektrowerkzeuge zum Einsatz.

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