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Notizstapel

Cesare Borgia ist unter Wissenden bekannt dafür, dass er gern möglichst viel Wissen in sich aufsaugte, wie ein Schwamm. Drum las er auch Bücher in verschiedenen Sprachen - er schreckte vor Altgriechisch, Latein, Kastilisch, Katalanisch, Italienisch und Französisch nicht zurück. Und wenn Bücher langweilig geworden sind, löcherte er unter anderem Lorenz Beheim mit Fragen.

Um all die Infos zu sammeln, machte er Notizen. Fein säuberlich sortiert, nach Autor, Thema und Inhalt - schließlich ist er auch für seine Pedanterie bekannt. Obwohl "Pedanterie" reichlich übertrieben ist. Es sollte lediglich eine gewisse Struktur aufrecht erhalten werden, die Ordnung garantiert.

Eine gute Idee also, diese Tradition fortzusetzen und von Papier und Pergamentschnippseln auf virtuelle Schreibflächen umzusteigen. Zumindest bis zum nächsten Stromausfall...


Verhaltensregeln am Hofe

Es gab einige Regeln, die es zu beachten galt, wenn man nicht übel auffallen wollte. Wichtig war in jedem Fall die Außenwirkung, die mit verschiedenen Mitteln geformt worden ist. Dann kam es noch darauf an, welchen Rang man bekleidete und welche Aufgaben man hatte. Für Menschen der heutigen Zeit mag dies wie ein undurchdringlicher Dschungel an geheimen Absprachen anmuten, ist aber eigentlich viel einfacher nachzuvollziehen, als die heutigen chaotischen Regeln - bzw. Un-Regeln. Die Erklärungen beziehen sich auf um das Jahr 1500, Rom, Italien.

Titel und Ränge

Es war in noblen Kreisen praktisch die Grundvoraussetzung, dass man sich verschiedenen Rängen und Titeln gegenüber zu verhalten wusste. Nicht nur dies, sondern auch gegenüber dem eigenen Stand.

Dies wurde zum Ausdruck gebracht, durch einen hohen Bildungsstand, gewählte, niveauvolle Ausdrucksweise, gerne Scharfzüngigkeit, Gehabe, Kleidung, sowie durch Accessoirs. Zeigt eine realistische Darstellung einen vergleichsweise zurückhaltenden Bekleidungsstil, so findet man dennoch kleine Hinweise auf den Stand des Trägers. Eine dicke Goldkette, seltene Felle, edle Stoffe oder durch Farben. Anhand der Zusammensetzung konnte man ungefähr erkennen, in welchem Rahmen sich das vielleicht fremde Gegenüber bewegte.

Traf man auf eine rangniedere Person, die einen kannte, und sich nicht angemessen verhielt, war dies im Grunde eine grobe und offen dargestellte Beleidigung.

Als ranghöhere Person war es umgekehrt nicht gut, wenn man beispielsweise just in diesem Augenblick bemerkte, dass der Schnürsenkel sich gelöst hat, und sich dann bückte, um ihn zu schließen. Man wartete stattdessen ab, bis alle rangniederen Personen weg waren, oder... man wartete ab, bis alle rangniederen Personen weg waren, und ließ es sich von seinem Diener zubinden. Je tiefer das Haupt, desto niedriger siedelte man sich an. Dies galt es, zu vermeiden.

Unterschiede machten Wachen, die gerade ihren Dienst verrichteten. Sie verbeugten sich nicht vor jeder ranghöheren Person, sondern zeigten ihren Respekt durch eine besonders gute Arbeitsleistung.

Jetzt kommt ein Punkt, den Leute aus der heutigen Zeit verwirren dürfte:

Ritter.

Ritter konnten sowohl die "Spitze der Nahrungskette" bilden, als auch Leibdiener, Boten, oder sonstiges eines Hochadligen sein. In England gab es den Titel "Groom of the Stool", welcher enorm angesehen war, aber bedeutete, dass man den königlichen Hintern abwischte, oder zumindest bei der Reinigung unterstützte, sofern es notwendig war. Da der Adlige, der für den königlichen Stuhl zuständig war, in den intimsten Bereich eindringen durfte, war dies eine Person, die der König am meisten vertraute.

Auf Ränge und Titel bezogene Gesten wurden auch innerfamiliär eingehalten, sobald die Öffentlichkeit anwesend war, was auch bei Briefen galt. Zumindest dann, wenn bekannte Personen einander schrieben und zu befürchten war, dass die Briefe gelesen werden.

Als Angehöriger des Hochadels hatte man mehrere Bedienstete um sich, welche sich um Korrespondenzen kümmerten, Botengänge erledigten, diplomatische Kontakte knüpften oder aufrecht erhielten, sowie Leibwache und Leibdiener, die für das leibliche Wohl sorgten. Hinzu kam eine unbestimmte Anzahl an weiteren Angestellten. Ein Haushalt glich einer Firma, und die engsten Angestellten waren Teil der Familie.

Höflichkeit

Höflichkeit war nicht unbedingt ein Zeichen von Nettigkeit, sondern man brachte dem Rang des Gegenübers Respekt entgegen, indem man die Person entsprechend ihres Rangs/Titel behandelte. Auch, wenn man diese Person auf den Tod nicht ausstehen konnte. Wollte man dies der Person unbedingt mitteilen, gab es andere Methoden. Winzige Andeutungen, verdeckte Gesten...

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